Preisbildung
Dies ist das anspruchsvollste Kapitel dieser Dokumentation — und das lohnendste. Wer die fünf Rechenstufen einmal durchdrungen hat, kann jeden Preis erklären, den EGIS-Connector je schreiben wird.
Die Preisbildung ist standardmäßig ausgeschaltet. Sie greift erst, wenn Sie sie einschalten, und auch dann nur für die Artikel, für die Sie es wollen.
Ist die Preisbildung aktiv, bewegen sich Ihre Verkaufspreise mit dem Einkaufsmarkt — in beide Richtungen. Preislisten-Regeln wie Partnerrabatte rechnen dann auf einer beweglichen Basis. Fangen Sie mit einer einzelnen Produktkategorie an, schalten Sie den Preislistenwächter mit ein, und sehen Sie sich nach ein paar Tagen die Preis-Historie an.
Die fünf Stufen im Überblick
1. Einkaufsbasis → Welcher EK ist maßgeblich?
2. Zielpreis → Welchen Preis strebt die Formel an?
3. Grenzen → Floor (unten) und UVP-Deckel (oben)
4. Rundung → Psychologische Endung, nie unter den Floor
5. Schreibfilter → Totband: lohnt die Änderung überhaupt?
Stufen 1 bis 4 erzeugen den Kandidaten. Stufe 5 entscheidet, ob er überhaupt geschrieben wird.
Stufe 1 — Die Einkaufsbasis
Alles beginnt mit der Frage: Aus welchem Einkaufspreis rechnen wir?
Die naheliegende Antwort — „der günstigste" — ist die falsche. Der günstigste Preis stammt regelmäßig von einem Distributor, der gar nicht liefern kann. Ein Verkaufspreis, der darauf aufbaut, ist ein Versprechen ohne Deckung.
EGIS-Connector verwendet deshalb eine Match-First-Kaskade:
| Stufe | Angebote mit Status | Wenn vorhanden … |
|---|---|---|
| 1 | Auf Lager oder Begrenzt | … bestimmen ausschließlich sie die Basis |
| 2 | Im Zulauf | … nur wenn Stufe 1 leer ist |
| 3 | Alle übrigen mit Preis | … nur wenn Stufe 1 und 2 leer sind |
Innerhalb der ersten nicht-leeren Stufe gewinnt der niedrigste Preis.
Die Kaskade ist absichtlich hart: Sobald es ein lieferbares Angebot gibt, spielt kein unlieferbares mehr eine Rolle — auch kein deutlich günstigeres. Umgekehrt bekommt jeder Artikel, für den irgendein Angebot einen Preis nennt, überhaupt eine Basis. Damit fällt nie ein Artikel durchs Raster, und gleichzeitig entsteht nie ein Preis auf Grundlage einer Beschaffung, die es nicht gibt.
Frachtkosten optional einrechnen
Ist Frachtkosten in EK-Basis eingeschaltet, wird die je Angebot gemeldete Fracht vor der Einstufung auf den Einkaufspreis addiert. Die Zurechnung erfolgt bewusst konservativ auf das Einzelstück — bei Mengenbestellungen sind Sie damit auf der sicheren Seite.
Ein Distributor mit 123,67 € Einkaufspreis und 15,00 € Fracht liegt mit Fracht bei 138,67 € und damit über einem Wettbewerber mit 130,00 € ohne Fracht. Genau das ist der Sinn der Option.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Für eine Tischhalterung meldet EGIS sechs Angebote:
| Distributor | EK | Bestand | Status | Fracht |
|---|---|---|---|---|
| API | 94,55 € | 0 | Nicht lieferbar | 6,75 € |
| ITK COMPUTER | 94,55 € | 0 | Nicht lieferbar | 6,75 € |
| TEKNO | 123,67 € | 3 | Im Zulauf | — |
| OFFICE PARTNER | 123,70 € | 1 | Im Zulauf | 4,50 € |
| EPARTS | 134,82 € | 7 | Im Zulauf | 15,00 € |
| NETFACTORY | 140,47 € | 3 | Im Zulauf | 2,50 € |
Stufe 1 ist leer — kein Angebot steht auf Auf Lager oder Begrenzt. Stufe 2 enthält vier Angebote. Die beiden unlieferbaren zu 94,55 € bleiben außen vor.
| Fracht-Option | Basis |
|---|---|
| Aus | 123,67 € (TEKNO) |
| An | 123,67 € (TEKNO, keine Fracht) — knapp vor OFFICE PARTNER mit 128,20 € |
Stufe 2 — Der Zielpreis
Aus der Basis entsteht der angestrebte Preis. Zwei Formeln stehen zur Wahl.
EK-Basis + Händler-Aufschlag
Die Standardformel für den Handel:
Zielpreis = Einkaufsbasis × (1 + Händler-Aufschlag ⁄ 100)
Bei 123,67 € Basis und 15 % Aufschlag: 142,22 €.
UVP − Rabatt
Für Sortimente, die nach Listenpreis verkauft werden — etwa Herstellerprogramme, bei denen Sie mit festem Rabatt einkaufen und der Markt sich an der UVP orientiert:
Zielpreis = UVP × (1 − UVP-Rabatt ⁄ 100)
Bei 199,00 € UVP und 30 % Rabatt: 139,30 €.
Artikel ohne UVP fallen bei dieser Formel automatisch auf EK-Basis + Händler-Aufschlag zurück. Sie können die Formel also gefahrlos für eine ganze Kategorie einstellen, auch wenn nicht jeder Artikel eine UVP hat — der Händler-Aufschlag dient dann als Auffangwert.
Die UVP stammt aus der aktuellen EGIS-Antwort oder, falls diese keine liefert, aus dem Informationsfeld UVP laut EGIS am Artikel.
Wichtig: Floor, Deckel, Rundung und Totband wirken bei beiden Formeln unverändert. Die Formel bestimmt nur den Ausgangspunkt.
Stufe 3 — Die Grenzen
Hier trennen sich die drei Preisbildungs-Modi.
Modus Cost-Plus
Der einfachste Modus: Der Zielpreis ist der Kandidat. Kein Floor, kein Deckel.
In diesem Modus gibt es keinen Floor — die Mindestmarge steckt implizit im Aufschlag. Das ist sauber, solange Sie mit der Formel EK-Basis + Händler-Aufschlag arbeiten. In Verbindung mit UVP − Rabatt kann Cost-Plus aber unter Ihren Einkaufspreis rutschen, wenn ein Distributor die Preise anhebt, während die UVP steht. Für UVP-basierte Sortimente ist deshalb der Preiskorridor die richtige Wahl.
Modus Preiskorridor
Zieht zwei Leitplanken ein.
Der Floor — die harte Untergrenze:
Floor = Einkaufsbasis × (1 + Mindestmarge ⁄ 100)
Liegt der Zielpreis darunter, wird er auf den Floor angehoben. Die Mindestmarge soll Zahlungsart-, Fracht- und Risikokosten decken; im Hardware-Handel sind 4–6 % üblich, voreingestellt sind 5 %.
Der UVP-Deckel — die optionale Obergrenze: Der Kandidat wird auf die UVP begrenzt. Nützlich für Webshops, in denen Preisvergleiche stattfinden — über UVP anzubieten wirkt schlicht teuer.
Liegt die UVP unter dem Floor — es kommt vor, wenn Einkaufspreise stärker steigen als die Herstellerempfehlung —, wird der Deckel ignoriert. Der Margenschutz hat Vorrang: Lieber sichtbar über UVP als sicher unter Marge.
Modus Totband
Alles wie beim Preiskorridor, plus ein Schreibfilter in Stufe 5.
Zwei Rechenbeispiele
Beispiel A — der Floor greift. Basis 100,00 €, Aufschlag 3 %, Mindestmarge 5 %:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zielpreis | 100,00 × 1,03 | 103,00 € |
| Floor | 100,00 × 1,05 | 105,00 € |
| Kandidat | max(103,00; 105,00) | 105,00 € |
Beispiel B — der Deckel greift. Basis 100,00 €, Aufschlag 60 %, Mindestmarge 5 %, UVP 149,00 €, Deckel an:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zielpreis | 100,00 × 1,60 | 160,00 € |
| Floor | 100,00 × 1,05 | 105,00 € |
| Nach Floor | max(160,00; 105,00) | 160,00 € |
| UVP über Floor? | 149,00 > 105,00 | ja, Deckel greift |
| Kandidat | min(160,00; 149,00) | 149,00 € |
Stufe 4 — Die psychologische Rundung
Drei kombinierbare Bausteine formen die Preisendung. Keiner angehakt bedeutet: keine Rundung.
| Baustein | Wirkung | Beispiel |
|---|---|---|
| Euro | Nächstgelegene 9er-Euro-Endung, Cent auf null | 85,50 € → 89,00 € |
| 10-Cent | Zehnerstelle der Cent auf 9 | 85,50 € → 85,90 € |
| Cent | Einerstelle der Cent auf 9 | 85,55 € → 85,59 € |
| Alle drei | 9er-Euro plus ,99 | 125,00 € → 129,99 € |
Der Euro-Baustein rundet zur nächstgelegenen 9er-Endung; bei Gleichstand nach oben. Konkret: Endet der Eurobetrag auf 4 bis 9, geht es hinauf zur 9 derselben Zehnergruppe; endet er auf 0 bis 3, hinunter zur 9 der vorherigen.
| Ausgangswert | Endziffer | Ergebnis |
|---|---|---|
| 84,00 € | 4 | 89,00 € |
| 85,00 € | 5 | 89,00 € |
| 83,00 € | 3 | 79,00 € |
| 80,00 € | 0 | 79,00 € |
| 3,00 € | 3 | 9,00 € (Untergrenze) |
Die Abrundung stoppt bei 9 € — darunter gibt es keine 9er-Endung mehr.
Die Rundung fällt nie unter den Floor
Würde die gewählte Endung den Kandidaten unter den Floor drücken, weicht EGIS-Connector auf die nächsthöhere Endung aus.
Beispiel C. Kandidat 83,00 €, Floor 83,00 €, Baustein Euro:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Rundung | 83 endet auf 3 → hinunter | 79,00 € |
| Floor-Prüfung | 79,00 < 83,00 | verletzt |
| Ausweichen | nächsthöhere 9er-Endung | 89,00 € |
Weil Cost-Plus keinen Floor kennt, kann die Rundung dort nach unten wirken — im Beispiel oben auf 79,00 €. Wenn Sie psychologisch runden und eine Untergrenze brauchen, wählen Sie Preiskorridor oder Totband.
Stufe 5 — Das Totband
Nur im Modus Totband aktiv. Es beantwortet die Frage: Lohnt die Änderung überhaupt?
Schwelle = max( Totband % × aktueller VK ⁄ 100 ; Totband € )
Liegt die Abweichung zwischen neuem und aktuellem Verkaufspreis innerhalb dieser Schwelle,
wird nichts geschrieben. Voreingestellt ist max(3 %, 7 €).
Beispiel D. Aktueller Verkaufspreis 215,00 €, Voreinstellungen:
| Neuer Kandidat | Abweichung | Schwelle | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 210,00 € | 5,00 € | max(6,45 €; 7,00 €) = 7,00 € | gehalten — nichts wird geschrieben |
| 205,00 € | 10,00 € | 7,00 € | geschrieben |
Ohne Band folgt jeder Verkaufspreis jeder Centbewegung des Einkaufsmarkts. Das erzeugt eine unruhige Preisdarstellung im Shop, irritiert Wiederkäufer und flutet die Preis-Historie. Das Totband hält Preise über kleine Marktschwankungen hinweg stabil und reagiert erst auf echte Bewegungen.
Die eine Ausnahme
Liegt der aktuelle Verkaufspreis unter dem Floor, greift das Totband nicht. Eine Margenverletzung wird immer sofort korrigiert — Margenschutz hat Vorrang vor Preisstabilität.
Beispiel E. Aktueller Verkaufspreis 128,00 €, Floor 129,85 €, neuer Kandidat 129,85 €. Die Abweichung von 1,85 € läge weit im Band — trotzdem wird geschrieben, weil der Ausgangswert den Floor unterschreitet.
Was das Totband sichtbar macht
Ein gehaltener Preis ist kein Nichts-Passiert. EGIS-Connector macht ihn an zwei Stellen sichtbar:
- Auf der Abgleich-Seite zeigt die Spalte Eigener VK statt eines Richtungspfeils das neutrale ≈, mit dem Soll-Preis im Hinweistext.
- Im Lauf-Protokoll steht eine Zeile „VK unverändert (Totband)" mit Soll-Preis, aktuellem Preis, Abweichung und Schwelle.
Beide nutzen denselben Rechenweg und dieselbe Totband-Prüfung. Die Vorschau kann Ihnen deshalb nie eine Änderung anzeigen, die der Lauf gar nicht schreiben würde.
Wohin der Preis geschrieben wird
Das Zielfeld bestimmen die Feldzuordnungen über das Attribut Eigener VK — und zwar typabhängig:
| Artikeltyp | Zielfeld | Verhalten |
|---|---|---|
| Ohne Varianten | Template-Slot — zulässig ist ausschließlich Verkaufspreis | Ein Preis je Artikel |
| Mit Varianten | Varianten-Slot — zulässig ist ausschließlich das variantenspezifische Preisfeld; ist er leer, greift das Template-Ziel | Je Variante aus deren eigenen Angeboten gerechnet |
Zeigt das Ziel auf das Artikelfeld Verkaufspreis, kann es bei Mehrvarianten-Artikeln nicht
sinnvoll gesetzt werden — das Feld gilt für alle Varianten gemeinsam. Der Lauf überspringt solche
Artikel und schreibt einen Protokolleintrag der Form „VK nicht gesetzt (N Varianten — list_price
ist templateweit; Ziel esp_price wäre variantenfähig)". Abhilfe: ein Varianten-Zielfeld setzen.
Ist kein Zielfeld hinterlegt, passiert nichts — auch dann nicht, wenn der Hauptschalter aktiv ist.
Alles je Produktkategorie übersteuerbar
Jede einzelne Einstellung dieser Seite lässt sich je Produktkategorie anders setzen: Modus, Zielpreis-Formel, UVP-Rabatt, Händler-Aufschlag, Mindestmarge, Totband, UVP-Deckel, Frachteinrechnung und Rundung.
Siehe Regeln je Produktkategorie.
Ein vollständiges Beispiel
Zusammengesetzt aus allem: Kategorie Netzwerktechnik, Modus Totband, Formel EK-Basis +
Händler-Aufschlag mit 15 %, Mindestmarge 5 %, Totband max(3 %, 7 €), UVP-Deckel an, Rundung
Euro + 10-Cent + Cent. Aktueller Verkaufspreis 138,00 €, UVP 189,00 €.
| Stufe | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 — Einkaufsbasis | Kaskade: kein Lager, vier im Zulauf, günstigster | 123,67 € |
| 2 — Zielpreis | 123,67 × 1,15 | 142,22 € |
| 3a — Floor | 123,67 × 1,05 = 129,85; max(142,22; 129,85) | 142,22 € |
| 3b — UVP-Deckel | UVP 189,00 > Floor 129,85 → min(142,22; 189,00) | 142,22 € |
| 4 — Rundung | 142 endet auf 2 → hinunter auf 139, dann ,99 | 139,99 € |
| 4b — Floor-Prüfung | 139,99 ≥ 129,85 | bestanden |
| 5 — Totband | |139,99 − 138,00| = 1,99 ≤ max(4,14; 7,00) = 7,00 | gehalten |
Ergebnis: Der Verkaufspreis bleibt bei 138,00 €. Auf der Abgleich-Seite steht ≈ mit dem Hinweis „Soll 139,99 €", im Protokoll die entsprechende Zeile. Erst wenn der Einkaufsmarkt sich deutlicher bewegt, wird geschrieben.
Kurz zusammengefasst
| Sie wollen … | Modus | Formel |
|---|---|---|
| … schlicht Aufschlag rechnen | Cost-Plus | EK + Aufschlag |
| … eine Untergrenze garantieren | Preiskorridor | EK + Aufschlag |
| … nie über UVP anbieten | Preiskorridor + UVP-Deckel | beliebig |
| … Listenpreis-Sortimente abbilden | Preiskorridor | UVP − Rabatt |
| … ruhige Preise im Shop | Totband | beliebig |
| Begriff | Formel |
|---|---|
| Einkaufsbasis | min(erste nicht-leere Stufe: lieferbar → im Zulauf → übrige), optional + Fracht |
| Zielpreis | Basis × (1 + Aufschlag) oder UVP × (1 − Rabatt) |
| Floor | Basis × (1 + Mindestmarge) |
| Kandidat | Zielpreis, begrenzt durch Floor und Deckel, dann gerundet |
| Schwelle | max(Totband % × aktueller VK; Totband €) |
Nächster Schritt: Regeln je Produktkategorie.