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Preislistenwächter

Ein Rabatt, den vor drei Jahren jemand angelegt hat, sollte heute kein Verlustgeschäft sein.

Die Preisbildung sorgt dafür, dass Ihr Listenpreis über der Mindestmarge liegt. Was sie nicht kann: verhindern, dass eine Preisliste diesen Preis wieder darunter rabattiert.

Genau da setzt der Preislistenwächter an. Er prüft bei jeder Verkaufspreisänderung, ob irgendeine Preislistenregel zu einem Verkaufspreis unter Ihrem Floor führen würde — und meldet sich, bevor daraus ein Auftrag wird.

Das Problem in einem Beispiel

Ein Switch kostet im Einkauf 320,00 €, Ihr Listenpreis liegt bei 449,00 €. Für einen Systemhauspartner haben Sie vor zwei Jahren eine Preisliste mit 35 % Rabatt angelegt — damals bei einem Einkaufspreis von 260,00 € völlig auskömmlich.

Heute rechnet dieselbe Regel: 449,00 € − 35 % = 291,85 €. Ihr Floor liegt bei 320,00 € × 1,05 = 336,00 €. Jeder Verkauf an diesen Partner kostet Sie 44,15 € — und niemand merkt es, weil die Regel ja unverändert ist.

Der Wächter merkt es.

Was er prüft

Bei jeder Änderung eines Verkaufspreises — gleich woher:

AuslöserErfasst?
Automatische Preisbildung im AbgleichJa
Direkteingabe in der Spalte Eigener VK auf der Abgleich-SeiteJa
Manuelle Änderung im ProduktformularJa
Änderung über Import oder MassenbearbeitungJa

Nicht erfasst wird die Neuanlage eines Artikels: Ein frisch angelegter Artikel mit Verkaufspreis wird erst bei der nächsten Preisänderung geprüft — spätestens also beim nächsten Abgleich, der seinen Preis anfasst.

Geprüft werden alle Preislisten Ihrer Datenbank — auch kundenspezifische. Je Preisliste nimmt der Wächter nur die Regeln, die auf den Artikel überhaupt anwendbar sind, und rechnet für jede darin vorkommende Mengenstaffel einen Preis aus.

Odoo rechnet selbst

Der Wächter bildet die Regellogik nicht nach, sondern lässt Odoos eigene Preisberechnung arbeiten. Damit erfasst er zuverlässig alle Regeltypen — Festpreis, prozentualen Rabatt, Formel mit Auf- und Abschlag, Mengenstaffeln — und bleibt auch dann korrekt, wenn Odoo seine Preislogik erweitert. Fremdwährungs-Preislisten werden in Ihre Unternehmenswährung umgerechnet.

Der Maßstab ist der Floor, nicht der Einkaufspreis

Verglichen wird gegen den Floor:

Floor = Einkaufsbasis × (1 + Mindestmarge ⁄ 100)

Die Einkaufsbasis entsteht nach derselben Match-First-Kaskade wie in der Preisbildung — lieferbar vor Zulauf vor übrigen —, gelesen aus den gespeicherten Lieferantenzeilen. Auch die Frachteinrechnung wirkt identisch.

Ein Preis knapp über EK ist auch ein Verlustgeschäft

Zahlungsartkosten, anteilige Fracht, Retourenrisiko und Kapitalbindung fressen die letzten Prozent auf. Deshalb ist der Maßstab die Mindestmarge und nicht der nackte Einkaufspreis — der Wächter schlägt an, bevor es weh tut.

Weil er die effektive Konfiguration je Produktkategorie liest, wirken Kategorie-Regeln automatisch mit: Haben Sie für Projektgeschäft eine Mindestmarge von 10 % gesetzt, prüft der Wächter dort strenger als in der Verbrauchsmaterial-Kategorie.

Einrichten

Zwei Felder in den Einstellungen, Karte Preispflege & Feldschutz:

FeldBedeutung
PreislistenwächterDer Hauptschalter
Preisprüfungs-To-dos anDie Person, die die Aktivität erhält
Ohne Empfänger keine Prüfung

Ist keine Person hinterlegt, bleibt der Wächter wirkungslos — auch bei eingeschaltetem Hauptschalter. Eine Meldung ohne Adressaten wäre keine Meldung.

Die Mindestmarge % wird mit dem Wächter zusammen sichtbar, auch wenn Sie die Preisbildung selbst gar nicht nutzen. Der Wächter funktioniert nämlich unabhängig davon: Er ist auch dann sinnvoll, wenn Sie alle Verkaufspreise von Hand pflegen.

Was passiert, wenn er anschlägt

Am Artikel entsteht eine Aktivität vom Typ EGIS: Preislistenregeln prüfen, zugewiesen an die konfigurierte Person. Der Betreff lautet „Preislistenregeln prüfen (unter EGIS-Floor)", die Notiz listet jeden Fund auf:

Preisliste „Systemhaus-Partner" (ab Menge 5) — Variante Switch 48 Port: 291,85 € liegt unter dem Floor 336,00 € (bester verfügbarer EK 320,00 € + Mindestmarge)

Die Notiz nennt je Fund die Preisliste, die Mengenstaffel (falls über eins), bei Mehrvarianten-Artikeln die betroffene Variante, den errechneten Regelpreis, den Floor und den besten Einkaufspreis.

Der To-do räumt sich selbst auf

SituationVerhalten
Neuer Fund, kein offenes To-doAktivität wird angelegt
Neuer Fund, To-do bereits offenAktivität wird aktualisiert, nicht dupliziert
Keine Unterschreitung mehrAktivität wird automatisch entfernt
Kein Aufgaben-Friedhof

Sie können den Wächter also getrost über den gesamten Bestand laufen lassen. Er erzeugt höchstens ein offenes To-do je Artikel, hält es aktuell und räumt es weg, sobald sich der Einkaufspreis wieder erholt hat oder Sie die Regel angepasst haben. Ihre Aktivitätenliste bleibt eine Liste echter Handlungsbedarfe.

Wird der Wächter abgeschaltet, bleiben bestehende To-dos stehen — sie verschwinden nicht stillschweigend.

Was Sie mit einem Fund machen

UrsacheMögliche Antwort
Der Einkaufspreis ist gestiegenListenpreis anheben — oder die Preisbildung dafür einschalten
Der Rabatt ist historisch gewachsenPreisliste anpassen und mit dem Kunden sprechen
Nur eine hohe Mengenstaffel betroffenStaffelpreis anheben oder die Staffel streichen
Der Artikel ist ein bewusster LockvogelFür diese Kategorie eine niedrigere Mindestmarge setzen — oder den Fund bewusst stehenlassen

Der Wächter trifft keine Entscheidung und ändert keine Preisliste. Er stellt nur sicher, dass die Entscheidung bei Ihnen landet, statt unbemerkt zu bleiben.

Kurz zusammengefasst

FrageAntwort
Wann prüft er?Bei jeder Verkaufspreisänderung, gleich woher
Was prüft er?Alle Preislisten, alle anwendbaren Regeln, alle Mengenstaffeln
Wogegen?Gegen den Floor — Einkaufsbasis plus Mindestmarge
Woher die Mindestmarge?Aus der effektiven Konfiguration der Produktkategorie
Was macht er?Legt eine Aktivität am Artikel an — mehr nicht
Braucht er die Preisbildung?Nein, er funktioniert eigenständig