Preislistenwächter
Die Preisbildung sorgt dafür, dass Ihr Listenpreis über der Mindestmarge liegt. Was sie nicht kann: verhindern, dass eine Preisliste diesen Preis wieder darunter rabattiert.
Genau da setzt der Preislistenwächter an. Er prüft bei jeder Verkaufspreisänderung, ob irgendeine Preislistenregel zu einem Verkaufspreis unter Ihrem Floor führen würde — und meldet sich, bevor daraus ein Auftrag wird.
Das Problem in einem Beispiel
Ein Switch kostet im Einkauf 320,00 €, Ihr Listenpreis liegt bei 449,00 €. Für einen Systemhauspartner haben Sie vor zwei Jahren eine Preisliste mit 35 % Rabatt angelegt — damals bei einem Einkaufspreis von 260,00 € völlig auskömmlich.
Heute rechnet dieselbe Regel: 449,00 € − 35 % = 291,85 €. Ihr Floor liegt bei 320,00 € × 1,05 = 336,00 €. Jeder Verkauf an diesen Partner kostet Sie 44,15 € — und niemand merkt es, weil die Regel ja unverändert ist.
Der Wächter merkt es.
Was er prüft
Bei jeder Änderung eines Verkaufspreises — gleich woher:
| Auslöser | Erfasst? |
|---|---|
| Automatische Preisbildung im Abgleich | Ja |
| Direkteingabe in der Spalte Eigener VK auf der Abgleich-Seite | Ja |
| Manuelle Änderung im Produktformular | Ja |
| Änderung über Import oder Massenbearbeitung | Ja |
Nicht erfasst wird die Neuanlage eines Artikels: Ein frisch angelegter Artikel mit Verkaufspreis wird erst bei der nächsten Preisänderung geprüft — spätestens also beim nächsten Abgleich, der seinen Preis anfasst.
Geprüft werden alle Preislisten Ihrer Datenbank — auch kundenspezifische. Je Preisliste nimmt der Wächter nur die Regeln, die auf den Artikel überhaupt anwendbar sind, und rechnet für jede darin vorkommende Mengenstaffel einen Preis aus.
Der Wächter bildet die Regellogik nicht nach, sondern lässt Odoos eigene Preisberechnung arbeiten. Damit erfasst er zuverlässig alle Regeltypen — Festpreis, prozentualen Rabatt, Formel mit Auf- und Abschlag, Mengenstaffeln — und bleibt auch dann korrekt, wenn Odoo seine Preislogik erweitert. Fremdwährungs-Preislisten werden in Ihre Unternehmenswährung umgerechnet.
Der Maßstab ist der Floor, nicht der Einkaufspreis
Verglichen wird gegen den Floor:
Floor = Einkaufsbasis × (1 + Mindestmarge ⁄ 100)
Die Einkaufsbasis entsteht nach derselben Match-First-Kaskade wie in der Preisbildung — lieferbar vor Zulauf vor übrigen —, gelesen aus den gespeicherten Lieferantenzeilen. Auch die Frachteinrechnung wirkt identisch.
Zahlungsartkosten, anteilige Fracht, Retourenrisiko und Kapitalbindung fressen die letzten Prozent auf. Deshalb ist der Maßstab die Mindestmarge und nicht der nackte Einkaufspreis — der Wächter schlägt an, bevor es weh tut.
Weil er die effektive Konfiguration je Produktkategorie liest, wirken Kategorie-Regeln automatisch mit: Haben Sie für Projektgeschäft eine Mindestmarge von 10 % gesetzt, prüft der Wächter dort strenger als in der Verbrauchsmaterial-Kategorie.
Einrichten
Zwei Felder in den Einstellungen, Karte Preispflege & Feldschutz:
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Preislistenwächter | Der Hauptschalter |
| Preisprüfungs-To-dos an | Die Person, die die Aktivität erhält |
Ist keine Person hinterlegt, bleibt der Wächter wirkungslos — auch bei eingeschaltetem Hauptschalter. Eine Meldung ohne Adressaten wäre keine Meldung.
Die Mindestmarge % wird mit dem Wächter zusammen sichtbar, auch wenn Sie die Preisbildung selbst gar nicht nutzen. Der Wächter funktioniert nämlich unabhängig davon: Er ist auch dann sinnvoll, wenn Sie alle Verkaufspreise von Hand pflegen.
Was passiert, wenn er anschlägt
Am Artikel entsteht eine Aktivität vom Typ EGIS: Preislistenregeln prüfen, zugewiesen an die konfigurierte Person. Der Betreff lautet „Preislistenregeln prüfen (unter EGIS-Floor)", die Notiz listet jeden Fund auf:
Preisliste „Systemhaus-Partner" (ab Menge 5) — Variante Switch 48 Port: 291,85 € liegt unter dem Floor 336,00 € (bester verfügbarer EK 320,00 € + Mindestmarge)
Die Notiz nennt je Fund die Preisliste, die Mengenstaffel (falls über eins), bei Mehrvarianten-Artikeln die betroffene Variante, den errechneten Regelpreis, den Floor und den besten Einkaufspreis.
Der To-do räumt sich selbst auf
| Situation | Verhalten |
|---|---|
| Neuer Fund, kein offenes To-do | Aktivität wird angelegt |
| Neuer Fund, To-do bereits offen | Aktivität wird aktualisiert, nicht dupliziert |
| Keine Unterschreitung mehr | Aktivität wird automatisch entfernt |
Sie können den Wächter also getrost über den gesamten Bestand laufen lassen. Er erzeugt höchstens ein offenes To-do je Artikel, hält es aktuell und räumt es weg, sobald sich der Einkaufspreis wieder erholt hat oder Sie die Regel angepasst haben. Ihre Aktivitätenliste bleibt eine Liste echter Handlungsbedarfe.
Wird der Wächter abgeschaltet, bleiben bestehende To-dos stehen — sie verschwinden nicht stillschweigend.
Was Sie mit einem Fund machen
| Ursache | Mögliche Antwort |
|---|---|
| Der Einkaufspreis ist gestiegen | Listenpreis anheben — oder die Preisbildung dafür einschalten |
| Der Rabatt ist historisch gewachsen | Preisliste anpassen und mit dem Kunden sprechen |
| Nur eine hohe Mengenstaffel betroffen | Staffelpreis anheben oder die Staffel streichen |
| Der Artikel ist ein bewusster Lockvogel | Für diese Kategorie eine niedrigere Mindestmarge setzen — oder den Fund bewusst stehenlassen |
Der Wächter trifft keine Entscheidung und ändert keine Preisliste. Er stellt nur sicher, dass die Entscheidung bei Ihnen landet, statt unbemerkt zu bleiben.
Kurz zusammengefasst
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Wann prüft er? | Bei jeder Verkaufspreisänderung, gleich woher |
| Was prüft er? | Alle Preislisten, alle anwendbaren Regeln, alle Mengenstaffeln |
| Wogegen? | Gegen den Floor — Einkaufsbasis plus Mindestmarge |
| Woher die Mindestmarge? | Aus der effektiven Konfiguration der Produktkategorie |
| Was macht er? | Legt eine Aktivität am Artikel an — mehr nicht |
| Braucht er die Preisbildung? | Nein, er funktioniert eigenständig |